VON JESSICA KLEINEHELFTEWES
Fakt ist, immer mehr Lebensmittelhersteller vermarkten regionale Produkte. Doch nicht immer ist die Schwarzwälder Butter aus dem Schwarzwald, die Sachsen-Milch aus Sachsen oder der spanische Schinken aus Spanien. Die Zeitschrift Öko-Test hat in ihrer September-Ausgabe regionale Lebensmittel unter die Lupe genommen. Nur ein Bruchteil hatte diesen Titel verdient.
Wie können sich Verbrauchern im Warburger Land also sicher sein, dass zum Beispiel die Erdbeeren tatsächlich aus dem Eissener Hofladen stammen, oder dass für Milchprodukte aus der Region nicht auch Milch von Kühen aus dem fernen Allgäu verwendet wird. Denn heimische Lebensmittelproduzenten werben damit, dass ihre Produkte von hier sind. „In jedem Liter Milch steckt ein schönes Stück Region“, lautet zum Beispiel das Motto der Upländer Bauernmolkerei. Die Molkerei mit Sitz im hessischen Willingen-Usseln bezieht ihre Milch von Bauern aus einem Umkreis von 150 Kilometern. „Wir können uns also durchaus als regional bezeichnen“, sagt der Körbecker Josef Jacobi, Aufsichtsratsvorsitzender der Upländer Bauernmolkerei. „Das wissen und schätzen unsere Kunden.“ Die, die es nicht wissen, könnte schon bald ein Gütesiegel darauf aufmerksam machen.
Der Bundesverband der Regionalbewegung mit Geschäftsstelle in Borgentreich hat daher auf seiner Jahreshauptversammlung die Einführung eines Siegels, ähnlich dem Bio-Zeichen, für Regionalprodukte gefordert. „Für Regionalität gibt es bisher kein Kontrollsystem“, klagt der stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbandes der Regionalbewegung, Sven Mindermann. So könne es immer wieder zu Mogelpackungen kommen, die die Verbraucher oftmals nicht erkennen. „Es reicht nicht aus, dass die Butter im Schwarzwald verpackt wird, die Rohstoffe müssen ebenfalls von dort sein“, stellt Mindermann klar. „Wo regional draufsteht, muss auch regional drin sein.“ Ein Vorschlag, an dem bereits im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gearbeitet wird. „Ende Januar soll das Konzept bei der Berliner Agrar-Messe Grüne Woche vorgestellt werden“, weiß Mindermann. Ob der Verband damit zufrieden sein wird, wird sich dann zeigen.
Probleme sieht Sven Mindermann vor allem bei der Frage, wie viel Regionalität in einem Produkt stecken muss. In manchen Gegenden werden bestimmte Erzeugnisse gar nicht hergestellt. Regionale Produzenten müssten sie zwangsläufig zukaufen, so Sven Mindermann. „So etwas muss dann aber den Verpackungen deutlich kenntlich gemacht werden“, findet Josef Jacobi. „Wenn etwas in einer Region nicht wächst, darf dem Verbraucher kein falsches Bild vermittelt werden.“ Seiner Meinung nach ist es wichtig, dass mit Sicherheit erkannt werden kann, woher ein Produkt stammt. „Beim Bio-Siegel funktioniert das sehr gut“, sagt Jacobi, der einen Bio-Hof in Körbecke betreibt. Auch Klaus Engemann, Bio-Landwirt aus Eissen, hält ein Siegel für sinnvoll – wenn die Kriterien stimmen. „Mit so einem Siegel können dann auch Menschen über die Region hinaus etwas anfangen“, sagt Engemann.
Ein Schritt in die richtige Richtung sei die Initiative Kulturland Kreis Höxter. In Kooperation mit den Rewe-Märkten im Kreis Höxter, darunter auch der Markt in Warburg, werden regionale Produkte angeboten. Das Angebot reicht von Honig bis hin zu Fisch und Getränken.
Gewissheit für Verbraucher: Basti Engemann (l.) verkauft am Marktstand des Biolandhofes Engeman bevorzugt regionale Produkte. Ein Gütesiegel könnte dafür sorgen, dass sich Brot, Äpfel und Gurke von den nicht-regionalen und importierten Waren unterscheiden. Das fordert der Bundesverband der Regionalbewegung. Auf der Jahresversammlung des Verbandes (kleines Foto) in der Warburger Brauerei stand dieses Thema im Mittelpunkt, denn der Etikettenschwindel nimmt zu. FOTOS: SABINE BRINKMANN/ DIETER SCHOLZ
© 2011 Neue Westfälische
Warburg, Dienstag 29. November 2011
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Mogelpackung oder nicht